Wird #stopracism das neue #sustainable? – wann es ein Trend, und wann es authentisch ist.

Ich bin hochsensibel und hatte vor einiger Zeit beschlossen, das Video zur sexualisierten Gewalt von Joko und Klaas nicht anzuschauen, weil es mir zu nahe geht. Dieses Mal aber, habe ich meine eigenen Emotionen zurückgestellt. Hier gilt nicht “Das ist mir zu kompliziert oder das tut meiner mentalen Gesundheit nicht gut.” Hier, finde ich, geht es darum, sich der Realität zu stellen, um sie ändern zu können.

Der Aufschrei – und dann?

Dann ging der Aufschrei auf Social Media los. Ich freue mich, denn es wurde Zeit. Gleichzeitig jedoch erschreckt es mich. Es erscheint mir wie ein Trend. Plötzlich schrieben alle etwas dazu, teilten Posts und Buchtips. Die Situation erinnert mich an die Waldbrände im Amazonas, dann folgte Australien. Und was hört man heute davon? Nichts.

Irgendwann wurde es zum Trend, Second-Hand Kleidung zu kaufen, einen Bambusbecher für den Coffee-To-Go zu benutzen, und sich den Hashtag “sustainable” auf die Flagge zu schreiben. Influencer*innen, die mehrmals im Jahr über die ganze Welt reisen, und nebenbei einen von Konsum getränkten Lebensstil vorleben, wollten plötzlich alle “sustainable” sein.

Und nun, schrieb man sich dann also Solidarität auf die Flagge?

Authentisch oder Marketing?

Ich lobe nicht eine*n Influencer*in dafür, dass sie für wenige Sekunden ein Buch über Rassismus in die Kamera gehalten haben. Wie authentisch ist das wirklich? Auf einmal sprechen Influencer*innen Rassismus an, weil die Follower es wollen, ja einfordern. Nicht über Rassismus zu sprechen, wenn Alle es tun, würde vermutlich sogar Follower einbüßen. Ich möchte gerne glauben, dass ein aufrichtiges Interesse für das Thema besteht, doch es fällt mir schwer. Zu oft wurde mir das Gegenteil bewiesen. Die Skepsis bleibt.

Hätten sie es auch ohne Aufschrei gemacht? Sichtlich haben sie es bisher nicht. Ob sie sich wirklich nicht damit auseinandergesetzt haben, oder ob sie ein so unpopuläres Thema nicht ansprechen wollten, weil es zu riskant im Hinblick auf die Zahlen gewesen wäre, sei dahin gestellt. Fakt ist: sie haben es nicht gemacht.

Natürlich, besser als nie. Doch ich frage mich, wie lange es bleibt. Und auch, was bleibt. Ich möchte nicht, dass es ein Trend ist, der vorübergeht. Ich möchte Taten sehen.

Mehr als ein Buch und ein Post.

Ich möchte sehen, dass sich Influencer*innen nicht einmal mehr in den Mittelpunkt rücken, sondern Menschen, die Erfahrungen mit Rassismus gemacht haben, das Mikrofon in die Hand drücken.

Ich möchte, dass sie ihre Charity Projekte auf dem afrikanischen Kontinent, einstellen, wenn es nur um sie selbst geht und es ein weiteres Beispiel für White Saviourism ist. (Siehe Stefanie Giesinger in Malawi oder Diana zur Löwen in Südafrika.) Wenn sie wirklich helfen wollen, dann sollten sie sich mit dem Thema auseinandersetzen, bevor sie mit ihrem “Helfen” großen Schaden anrichten.

Ich möchte, dass sie ihre Narrative ändern, dass sie aktiv und bewusst die Arbeit von Menschen der BIPOC Community unterstützen, und teilen. Ich möchte, dass sie sich hinterfragen, und auch erkennen, wenn sie mit ihrem Handeln und ihrer Arbeit rassistische Strukturen unterstützen. Ich möchte, dass sie nicht mehr von romantisiertem und aus dem Kontext geworfenem “Karma” sprechen, weil das zeigt, dass sie noch nie mit einem Menschen gesprochen haben, der mit weniger Privilegien lebt, und deshalb aber weder automatisch selbst daran Schuld ist, noch deshalb ein schlechter Mensch ist.

Ich möchte, dass alle den Schmerz erkennen. Verstehen. Rassismus zu spüren, und auch, zu sehen, tut weh. Sich mit Rassismus auseinander zu setzen macht keinen Spaß, ist unangenehm, man wird Fehler eingestehen und sich womöglich bei Anderen entschuldigen müssen, sich klein fühlen, Dinge und Gewohnheiten ändern. Und ja, nur dann ändert sich etwas. Ein Buch über Rassismus zu lesen, ist klasse, aber es reicht nicht, wenn man nicht etwas tut, sobald der Buchdeckel zugeschlagen wird.

Ich möchte, dass wir nie aufhören, so viel und so stark über das Thema Rassismus und Diskriminierung zu sprechen, wie wir es jetzt tun. So lange, bis ein für alle Mal damit abgeschlossen ist, und wir in einer Welt leben, die nicht diskriminiert.

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Photo by Mike Yukhtenko on Unsplash

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