Am 9. März streiken die Frauen in México.

Montag, 9. März. Ein Tag, der in die Geschichte eingegangen ist. Ein Tag, an dem alle Frauen in Mexiko verschwinden. Nicht einfach so – sondern, um ein Zeichen zu setzen. Was passiert, wenn die Kollegin nicht mehr da ist? Was, wenn sie eines Tages nicht mehr da ist, weil die Kriminalität und Feminizide es zu einer möglichen Realität machen?

Wie steht es um México in Sachen Feminizide? Nicht so gut. Das konnte man ausführlich den Statistiken entnehmen, die es weit über das nordamerikanische Land hinaus in Zeitungen und Blogbeiträge geschafft haben. “In México ist man frauenfeindlich.” “In México sterben zu viele Frauen durch sexualisierte Gewalt.” “Es ist nicht sicher, Frau in México zu sein.”

Mein persönlicher Eindruck – nun, ist es wirklich irgendwo sicher, Frau zu sein? Gibt es ein Land, das sexualisierte Gewalt “abgeschafft” hat? Nein, es ist nirgendwo wirklich sicher, Frau zu sein. In México? Nun, Geschlechterrollen sind sehr präsent. Ich bin in Deutschland aufgewachsen, in einem Umfeld, in dem es kein Problem ist, über Abtreibung zu sprechen. Hier? Ein Tabu.

Auch ich habe sexuelle Belästigung (in Europa und in Lateinamerika) erfahren, auch ich kenne das mulmige Gefühl, alleine mit einem männlichem Fahrer im Taxi zu sitzen, alleine durch die Straßen zu laufen. Ich habe immer im Hinterkopf, was als zu kurz oder zu “anzügig” gilt – man schaue sich einmal das Wort an, als wäre man ein Magnet, der anzöge, so ein Unsinn. Hin und wieder schränkt man sich ein, weil es sicherer ist – ohne Garantie. So ist es, eine Frau zu sein.

Also wird zum Streik aufgerufen. Wenn es so einfach wäre. Ich habe mit vielen Frauen gesprochen, die gesagt haben, sie bekämen den Tag nicht bezahlt, sie können nicht einfach streiken. Ich habe auch mit einigen Lehrerinnen gesprochen, die sagten, sie würden ihren Schüler*innen zuliebe gerne arbeiten. Ich habe mit vielen gesprochen, die meinten, das nütze nichts.

Nun, es ist ein Zeichen. Eines, das internationale Aufmerksamkeit erbracht hat, eines, das auch innerhalb des Landes eines der Solidarität ist. Gelöst wird die Herausforderung dennoch – leider – nicht.

Sie beginnt schon früh, die Differenzierung der Geschlechter. Sollte man sagen – alle Frauen, die streiken, sollten ebenso aufhören, ihre Kinder nach Geschlecht rosa oder blau anzuziehen? Kindergeburtstage nach Prinzessin oder Drachenjäger auszurichten? Jede Schule sollte aufhören, die Schuluniform nach Geschlechtern aufzuteilen? Und – es sollte verboten werden, Jobs nach m / f auszuschreiben (was noch immer der Fall ist). Es sollte mit so Vielem aufgehört werden. Es sollte vor allem Vieles an der Wurzel gepackt werden, mehr, als dass es oberflächlich abgestaubt wird.

Was die Gesellschaft braucht, ist ein Sich-selbst-auseinandersetzen. Ein kritisches Hinterfragen, ein Überdenken eigener Denkansätze. Das ist harte Arbeit. Vielleicht ist der 9. März ein Impuls, denn eines steht fest: diesem Thema wird man an diesem Thema, komme was wolle, nicht entwischen.

Ein Dialog muss her. Vielleicht wird ja die Einleitung hierzu geschaffen, mit dem Streik am 9. März.

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