Ist es rassistisch, an Fasching als Indianer zu gehen?

Dass es nur Fantasie und ein Spiel sei, merkte man an. Und auch – dass meine Reaktion auf die im Supermarkt verkauften Indianer(*innen)-kostüme zu übertrieben sei.

Was verbinden wie mit “Indianer”? Welche sind die Bilder, die dieses Wort hervorruft?

Sprache ist weitaus mehr als die Aneinanderreihung von Worten. Sprache vermittelt Bilder, und somit auch ein Welt – bild. Sprache ist wesentlicher Teil der Kultur – nicht umsonst gibt es Worte, die sich nicht übersetzen lassen, weil sie so sehr in einem einzigartigen kulturellen Kontext verankert sind.

Insofern sollten wir unsere Worte sehr ernst nehmen. Mehr noch, wir sollten nicht nur darauf achten, was wir sagen, sondern wie wir es sagen. Umgekehrt gilt auch: wir sollten darauf achten, was uns gesagt wird, und wie es uns gesagt wird.

Sprache vermittelt auch Schmerz. Sprache schließt aus, definiert, was zugehörig und was fremd ist. Sprache ist, wo Rassismus und Diskriminierung beginnt. Meinen Nachnamen akzeptierte man auf dem deutschen Amt nicht, er wurde für den Personalausweis angepasst. Ob ich das wollte? Danach fragte niemand. Ich wurde in ein bestehendes Raster gedrückt. Sprache kann ausschließen.

Was geschieht also, wenn wir das Bild des Indianers weiterleben lassen? Alles nur Spaß? Alles nur Fantasie? Nein. Ein veraltetes, koloniales Bild, das in der Gesellschaft keinen Platz mehr haben sollte. Es transportiert ein Stereotyp weiter, anstelle es zu brechen. Das ist unsere eigentliche Verantwortung – wir mögen Stereotypen und Vorurteile in gewisser Weise “vererbt” bekommen haben, doch wir haben die Möglichkeit sie zu brechen. Oft gibt man uns die Entscheidung: können wir ein Bild brechen, oder weiter leben lassen? Im Falle der Indianerverkleidung ist es ein klares Ja zum Brechen eines bestehendes Bilder. Ein Ja, das wir ernst nehmen sollten.

Wenn wir über Rassismus sprechen möchten, müssen wir auch mit der Tatsache rechnen, damit konfrontiert zu werden, falsch gelegen zu haben. Wir müssen akzeptieren, umzudenken, und zu ändern. Und es muss damit aufgehört werden, sich mit einem “Das ist doch übertrieben!” zu rechtfertigen, oder gar zu wehren.

Photo: Photo by Andrew James on Unsplash

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